MAMMUTMARSCH München – 55 km an die Grenzen und darüber hinaus
Am Start waren wir voller Motivation und Energie. Die Stimmung war großartig, die Beine frisch – wir konnten es kaum erwarten, loszulegen.
Die erste Verpflegungsstation erreichten wir bei Kilometer 8,7. Ein kurzer Stopp, ein kleiner Snack: saure Gurken, Käse, ein Wurstbrot und für unterwegs ein paar Datteln. Viel Zeit ließen wir uns nicht – die Motivation war noch auf ihrem Höhepunkt, also direkt weiter.
Bei Kilometer 20,4 stand die nächste Station an – eine WC-Pause. Doch schon ab Kilometer 18 machten sich die ersten ernsthaften Beschwerden bemerkbar: brennende Fußsohlen, schmerzende Hüften und belastete Fußgelenke. Nach einem kurzen Halt bauten wir unsere Wanderstöcke zusammen, die uns bis Kilometer 27 begleiten sollten. Und tatsächlich – das Laufen wurde spürbar angenehmer.
Doch dann änderte sich das Wetter. Ein kalter Wind kam auf, erste Regentropfen fielen. Die Herausforderung wurde größer – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Bei Kilometer 27 erreichten wir die zweite Verpflegungsstation. Halbzeit.
Eine kurze Pause mit heißer Kartoffelsuppe tat gut, dann ging es weiter Richtung Kloster Andechs bei Kilometer 35. Doch dieser Abschnitt hatte es in sich. Die Strecke zog sich endlos, fünf Kilometer fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Spätestens jetzt wurden die Schmerzen sehr unangenehm. Unser Tempo sank deutlich – weit entfernt von einem 5-km/h-Schnitt.
Bei Kilometer 43 wartete die nächste Station – die Hotdogs lockten. Doch die Strecke dorthin, inzwischen im Dunkeln, schien unendlich. Nieselregen, teilweise sogar Schnee, machten es zusätzlich schwer.
Angekommen stellte ich fest: Der Hotdog reizte mich überhaupt nicht. Die Kartoffelsuppe lag noch angenehm im Magen. Stattdessen griff ich zu einer großen Cola – vielleicht ein letzter Energieschub? Doch beim Start in die letzte Etappe wurde schnell klar: Die Pause hatte nicht die erhoffte Wirkung.
Die letzten Kilometer waren reine Kopfsache. Anna und ich mussten unseren inneren Schweinehund mehrfach in die Schranken weisen. Aufgeben war keine Option – der Weg war unser Ziel. Eva marschierte unbeirrt vor uns, leuchtete uns den Weg und beeindruckte uns mit ihrer Stärke. Das motivierte ungemein, weiterzugehen und die Schmerzen auszublenden.
Bei Kilometer 50 dachten wir kurz, wir seien fast am Ziel – doch die verbleibenden fünf Kilometer fühlten sich endlos an. Ich musste alle paar hundert Meter stehen bleiben, um meine Füße zu entlasten und die Schmerzen auszuhalten.
Mitten in der Nacht, um 00:00 Uhr, marschierte Anna in ihren Geburtstag hinein. Eine kurze Gratulation – dann ging es weiter. Noch 1,5 Kilometer.
Um 00:24 Uhr dann der Zieleinlauf. Unbeschreiblich. Eine unglaubliche Last fiel von uns ab, Tränen flossen – wir hatten es geschafft.
Ich danke meinen beiden Begleiterinnen Anna und Eva von Herzen für ihre Unterstützung auf diesem Marsch – und meinen Kindern für dieses außergewöhnliche Geschenk.
Und falls ich jemals wieder sagen sollte: „Das würde ich gerne mal machen“ – bitte ignoriert es.
Es war eine beeindruckende Erfahrung. Aber den Mammutmarsch überlasse ich künftig den Menschen, die wirklich Spaß daran haben.
Fazit – 3 Tage danach:
Die Schmerzen sind noch da. Jeder Schritt erinnert mich an diese 55 Kilometer.
Und trotzdem hat sich etwas verändert.
Denn heute weiß ich: Ich würde es mir nochmal zutrauen.
Nicht, weil es leicht war – sondern weil ich daraus gelernt habe.
Ich kenne jetzt meine Schwachstellen.
Ich weiß, dass z.B. meine Fußsohlenschmerzen kein Zufall waren – und mit den richtigen orthopädischen Einlagen vermutlich vermeidbar sind.
Der Mammutmarsch hat mich an meine Grenzen gebracht.
Aber er hat mir auch gezeigt, dass noch mehr geht – wenn man es klüger angeht.
Und genau das würde ich beim nächsten Mal tun.